Bundesamt f. Umwelt, Wald und Landschaft

EKL - Bericht der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene Stickoxid- und Ammoniak-Ausstoss halbieren

      Bern (ots) - Die Belastung der Luft durch Stickoxide und Ammoniak
in der Schweiz ist deutlich zu hoch. Die Eidgenössische Kommission
für Lufthygiene (EKL) fordert in ihrem Statusbericht eine Halbierung
der Stickoxid- und Ammoniak-Emissionen gegenüber 2000. Sie verlangt,
dass der neueste Stand der Technik zur Emissionsminderung
flächendeckend konsequent angewendet wird. Stickoxide und Ammoniak
beeinträchtigen naturnahe Ökosysteme und die menschliche Gesundheit.
Hauptquelle der Stickoxid-Emissionen ist der Verkehr; Ammoniak
stammt grösstenteils aus der Landwirtschaft.

    Die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene (EKL) (siehe Kasten 1) stellt im Statusbericht "Stickstoffhaltige Luftschadstoffe in der Schweiz" umfassend dar, wie stark Stickoxide und Ammoniak die Umwelt belasten, wie sie auf Ökosysteme und Gesundheit wirken und wie die Emissionen verringert werden können.

    In der Schweiz sind mehr als 90 Prozent der Waldstandorte und rund 55 Prozent der Flächen von weiteren naturnahen Ökosystemen mit übermässigen Stickstoffeinträgen (Stickoxide und Ammoniak) belastet. Stickoxide und Ammoniak tragen aber auch zur Bildung von sekundären Aerosolen bei, die Teil des gesundheitsgefährdenden Feinstaubs sind. Stickoxide sind zudem ein Vorläuferstoff von Ozon. Die Immissionsgrenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub werden in Städten, Agglomerationen und entlang stark befahrener Strassen überschritten. Die Ozonbelastungen sind vor allem im Sommer grossräumig zu hoch (siehe Kasten 2).

    58 Prozent der Stickoxid-Emissionen stammten im Jahr 2000 vom Verkehr. Bei den Ammoniak-Emissionen bildete die Landwirtschaft mit 93 Prozent die Hauptquelle. Insgesamt wurden 77'200 Tonnen Stickstoff in Form von stickstoffhaltigen Verbindungen (Stickoxide und Ammoniak) ausgestossen, 59 Prozent davon von der Landwirtschaft, 27 Prozent vom Verkehr, 11 Prozent von Industrie und Gewerbe sowie 3 Prozent von den Haushalten.

    Technischer Nachholbedarf Die EKL verlangt, dass die Emissionen von Stickoxiden und Ammoniak gegenüber 2000 halbiert werden, um die übermässige Belastungen der Ökosysteme abbauen zu können. Diese Reduktion ist auch für eine Verminderung der Ozonbelastungen im Sommer erforderlich und führt zu einer deutlichen Abnahme der sekundären Aerosole, die Teil des Feinstaubs sind. Um dieses Ziel zu erreichen, muss in allen Bereichen konsequent der neueste Stand der Technik eingesetzt werden. Insbesondere in der Landwirtschaft besteht Nachholbedarf, weil beim Umgang mit Hofdüngern aus der Nutztierhaltung in der Praxis zu wenig emissionsarme Techniken eingesetzt werden. Mit geeigneten Anreizen und Förderprogrammen, etwa indem die Luftreinhaltung als Kriterium bei den ökologischen Direktzahlungen eingeführt wird, soll emissionsarmen Techniken zum Durchbruch verholfen werden.

    Zur Senkung des Stickoxid-Ausstosses sollen Diesel betriebene Motorfahrzeuge nicht nur mit einem System zur Minderung der Emissionen von lungengängigen Feinstaubpartikeln, sondern auch mit einem Entstickungssystem (DeNOx-System) ausgerüstet werden. Im Bereich Industrie und Gewerbe besteht vor allem bei Grossanlagen (z.B. Zementöfen) ein Potenzial zur weiteren Emissionsminderung mit DeNOx-Systemen.

    Um den Trend zur Zunahme des motorisieren Privatverkehrs zu stoppen, muss der öffentliche Verkehr in den Agglomerationen attraktiver werden. Zudem ist die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Strasse auf die Schiene nach Ansicht der EKL noch deutlich zu wenig fortgeschritten. Schliesslich sollen vermehrt ökonomische Instrumente, wie Lenkungsabgaben und Steuerdifferenzierungen, eingesetzt werden, um Anreize für umweltschonendes Handeln zu schaffen.

EKL  EIDGENÖSSISCHE KOMMISSION FÜR LUFTHYGIENE

Auskünfte • Prof. Dr. med. Ursula Ackermann, Präsidentin der EKL, Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel, Tel. 061 267 60 66 • Fritz Zürcher, EKL-Mitglied, Abteilungsleiter Luft und Boden im Amt für Umwelt des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Herisau, Tel. 071 353 65 37

Publikation • Der EKL-Bericht ist erschienen unter dem Titel "Stickstoffhaltige Luftschadstoffe in der Schweiz", BUWAL Schriftenreihe Umwelt Nr. 384 (Deutsch und Französisch). Bestellung BUWAL Dokumentation: Fax 031 324 02 16, E-Mail: mailto:docu@buwal.admin.ch Bestellnummer: SRU-384-D / F   • Eine Kurfassung des Berichts ist publiziert auf : http://www.umwelt-schweiz.ch/ekl/de/index.html Kasten 1: Die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene (EKL) Die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene (EKL) ist eine vom Bundesrat eingesetzte ausserparlamentarische Kommission auf dem Gebiet Luftreinhaltung. Sie besteht aus 14 Expertinnen und Experten. Die Kommission berät das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) in wissenschaftlichen und methodischen Fragen der Luftreinhaltung und den Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit der Menschen und der Natur. Sie erarbeitet entsprechende Berichte, Empfehlungen, Stellungnahmen und Anträge. Das Sekretariat der EKL ist beim BUWAL angesiedelt. Weitere Informationen zur EKL: http://www.umwelt- schweiz.ch/ekl/de/index.html

    Kasten 2: Stickstoffhaltige Luftschadstoffe Durch die Verbrennung von Brenn- und Treibstoffen und durch die landwirtschaftliche Nutztierhaltung werden grosse Mengen an stickstoffhaltigen Luftschadstoffen (Stickoxide und Ammoniak) in die Atmosphäre ausgestossen. Die Schadstoffe werden nach der Emission über die Luft verfrachtet und schliesslich nahe oder fernab der Emissionsquellen trocken oder nass in naturnahe Ökosysteme eingetragen. Die Folgen sind Überdüngung und Versauerung. Besonders empfindlich reagieren darauf Wälder, artenreiche Naturwiesen und Trockenrasen, Hoch- und Flachmoore, Heidelandschaften und nährstoffarme Stillgewässer. Stickoxide und Ammoniak tragen aber auch zur Bildung von sekundären Aerosolen bei, die Teil des gesundheitsgefährdenden Feinstaubs sind. Stickoxide sind zudem ein Vorläuferstoff von Ozon.



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