Fürstentum Liechtenstein

ikr: Technische Innovation im Baugewerbe zu römischer Zeit
Neue Erkenntnisse zum römischen Gutshof in Nendeln

Vaduz (ots/ikr) - Ausgelöst durch einen Aushub in Nendeln musste die Liechtensteinische Archäologie, Amt für Kultur, während der letzten Wochen eine Notgrabung in der Nähe der römischen Villa durchführen. Dabei kam ein gut erhaltener Kalkbrennofen zum Vorschein.

In den Jahren 1973 und 1974 wurden in Nendeln drei Gebäude eines römischen Gutshofs archäologisch untersucht. Sie datieren vom 2. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. Davon nur ungefähr 50 m entfernt wird nun ein Einfamilienhaus gebaut. Weil damit gerechnet werden musste, dass archäologische Zeugnisse und Funde durch den Bagger zerstört werden, wurde auf dem Grundstück eine archäologische Notgrabung durchgeführt.

Römisches Landleben in Nendeln

Die Bewohner der Villa haben zahlreiche Spuren ihres Alltagslebens hinterlassen. Während der Notgrabung wurde deren Gehniveaus dokumentiert. Darin eingebettet entdeckten die Archäologen zwei Münzen des 4. Jahrhunderts n. Chr., einen Fingerring aus Bronze, diverse Eisenobjekte, Dachziegel und Geschirrkeramik.

Kalkbrennöfen als Zeichen des Fortschritts

Besonders beeindruckend war der Befund eines sehr gut erhaltenen Kalkbrennofens im stark abfallenden Gelände. Die leicht ovale, circa drei Meter weite Brennkammer war aus grob behauenen Kalk- und Sandsteinen gesetzt. Im Ofen zeugen Kalk und - darin eingebacken - noch nicht vollständig gebrannte Kalksteine vom letzten Brand. Die Beschickung der Brennkammer erfolgte durch eine fast zwei Metern lange und noch 80 cm hoch erhaltene Ofenschnauze, die nach Nordwesten orientiert war. Der davor liegende Arbeitsbereich, Küche genannt, befindet sich ausserhalb des Aushubbereichs und ist deshalb nicht untersucht worden. Der Ofen dürfte im 2. Jahrhundert im Zuge der Errichtung des Haupthauses und der Nebengebäude der römischen Villa angelegt worden sein. Nach seiner Aufgabe wurde er als Grube verwendet und mit Schlachtabfällen verfüllt.

Mit den römischen Eroberern kamen auch revolutionäre Bautechniken in unser Gebiet. Eine der wichtigsten war das Bauen mit Kalkmörtel. Zu Herstellung von gebranntem Kalk mussten Kalksteine in einem Ofen während mehrerer Tage auf mehr als 1000° C erhitzt werden. Setzte man diesem Wasser zu, entstand gelöschter Kalk - ein Hauptbestandteil des Mörtels, der für die Bindung sorgt. Schon Vitruv, ein römischer Gelehrter des 1. Jahrhunderts v. Chr., lieferte das entsprechende Rezept: "...wenn der Kalk gelöscht ist, muss er folgendermassen gemischt werden: ein Volumen Kalk, zwei bis drei Volumen Sand...".

Die Sanierung der Primarschule als grosse Chance im nächsten Jahr

Im nächsten Jahr sind in Zusammenhang mit der geplanten Sanierung der Primarschule und dem damit zusammenhängenden Neubau der Turnhalle weitere Erkenntnisse zu erwarten. Die dafür zu bebauende Fläche liegt zwischen den Gebäuden des Gutshofs und dem jetzt entdeckten Kalkbrennofen. Dort besteht mit der Verpflichtung, das archäologische Kulturgut vor der Zerstörung zu retten, die Chance, das Bild vom römischen Gutshof um weitere Puzzleteile zu ergänzen.

Kontakt:

Amt für Kultur
Hansjörg Frommelt, Archäologie
T +423 236 75 31


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