ikr: Revitalisierung Liechtensteiner Binnenkanal
Gemeinde Schaan - Abschnitt Pfarrmeder

   

Vaduz (ots/ikr) - Die Revitalisierung eines Abschnitts des Binnenkanals im Bereich Pfarrmeder ist ein weiterer Mosaikstein zu einer ganzheitlichen Verbesserung des ökologischen Zustands dieses, aus ökologischer Sicht, sehr bedeutsamen Gewässers. Der Binnenkanal stellt durch die seit der Neugestaltung der Mündung gewährleistete, fischdurchgängige Anbindung an den Rhein, eines der wenigen Gewässer im Rheintal dar, das einen Austausch zwischen Bodensee/Alpenrhein und den Binnengewässern hinter dem Damm ermöglicht. Massnahmen zur Verbesserung der ökologischen Situation sind an solchen Gewässern gerade in längeren Abschnitten von Begradigungen, Strukturarmut und monotonem Gerinneverlauf als "Trittbrettbiotop" sehr wichtig. Durch diese Revitalisierung wird nicht nur im unmittelbaren Renaturierungsabschnitt die gewässerökologische Vielfalt durch die Schaffung von natürlichen Strukturen und das Einbringen von einer Kiessohle für Kieslaicher (z.B. Aesche, See- und Bachforelle) erhöht. Solche Aufweitungen stellen auch ein wichtiges Rückzugshabitat im Hochwasserfall und einen Jungfischhort für einen weit grösseren Gewässerabschnitt dar. Neben den Lebensraumansprüchen für Fische wurden auch die ökologischen Ansprüche von beispielsweise Eisvogel oder Bergstelze bei der Planung berücksichtigt. Auch solche, relativ kurze revitalisierte Strecken wirken sich sehr positiv auf weniger natürliche Gewässerabschnitte aus.

Ausgangssituation und Hergang

Die Ausgangssituation für dieses rein ökologische Projekt war im Abschnitt Pfarrmeder ideal und ist vor allem aufgrund des Raumbedarfs nicht überall so günstig. In einem einvernehmlichen Prozess zwischen der Gemeinde Schaan, den betroffenen Ämtern, Vertretern von Natur- und Umweltschutzorganisationen sowie Werkleitungsbetreibern konnte aufgrund der sehr günstigen Ausgangsnutzung (standortfremder Wald) und Eigentumsverhältnisse (Gemeinde) eine Variante gebaut werden, die keine Nachteile für die beteiligten Interessen bringt.

Bauphase und notwendige Begleitmassnahmen

Es war geplant die Arbeiten über die Wintermonate (Winter 2011/2012) auszuführen, um das Risiko eines Hochwassers während der Bauphase zu minimieren. Leider erfolgte der Baufortschritt infolge vieler wetterbedingter Arbeitsunterbrüche nicht wie geplant. Im April musste dann auf Grund der hohen Wasserstände die Baustelle definitiv eingestellt werden. Die Arbeiten konnten erst im November 2012 wieder aufgenommen werden.

Aufgrund der relativ grossen Erdbewegungen sind solche Eingriffe während der Bauphase gut sichtbar. Beim Projekt "Pfarrmeder" wurde bei der Verwertung des Aushubs eine ressourcenschonende und zugleich ökologische Lösung angestrebt. Vom anfallenden Aushubmaterial im Umfang von rund 20'000 m3 konnten 13'000 m3 hochwertiger Boden zur Bodenverbesserung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen rekultiviert werden. Ca. 7'000 m3 minderwertiges Material wurde auf einer nahegelegenen Kiesbank im Rhein deponiert. Dieses saubere und natürliche Aushubmaterial soll beim nächsten Hochwasser weggeschwemmt werden. Eine Zunahme der Trübung bleibt im Hochwasserfall durch den natürlichen Feststofftransport unterhalb der messbaren Grenze. Diese Materialrückgabe in den Rhein wurde im Einvernehmen der betroffenen Behörden der anderen Rheinanlieger durchgeführt.

Die Bauarbeiten konnten diesen Winter abgeschlossen werden. Im Frühling folgen noch Einzelpflanzungen von standortgerechten Arten. Ein spezielles Augenmerk muss nach einem solchen Eingriff den meist stark zunehmenden Neophyten (invasive ortsfremde Pflanzenarten) geschenkt werden. Bis sich eine stabile standortgerechte Vegetation eingestellt hat, ist mit einem erhöhten Pflegeaufwand zu rechnen.

Ein Begleitmonitoring wurde bereits gestartet, um die ökologische Entwicklung von Fauna und Flora auf diesem Gerinneabschnitt zu dokumentieren und allenfalls Verbesserungsmassnahmen für weitere Projekte abzuleiten.

Kennzahlen

Länge Revitalisierung: 350 m

Maximale Breite: 50 m (alt: 20m)

Aushub: 20'000 m3

Deponie Rhein: 7'000 m3

Rekultivierung auf landwirtschaftl. Flächen: 13'000 m3

Fläche Bodenverbesserung: 3.1 ha

Benötigte Baupisten (temporär): 1'100 m

Kosten (100 % Land): CHF 600'000

Kontakt:

Amt für Umwelt
Roland Jehle
T +423 236 64 19
Amt für Bevölkerungsschutz
Elmar Ritter
T +423 236 68 57