Fürstentum Liechtenstein

pafl: Konjunkturelle Entwicklung beginnt sich abzuschwächen

Vaduz (ots/pafl) - Der konjunkturelle Aufschwung der liechtensteinischen Volkswirtschaft beginnt sich zu verlangsamen. Wie sich aus dem Konjunkturbericht Liechtenstein des Amtes für Statistik ergibt, zeigen sich erneut deutliche Unterschiede zwischen dem Industriesektor und dem Finanzdienstleistungsbereich.

Umsatzanstieg im Industriesektor

Im 1. Halbjahr 2011 stiegen die Verkaufserlöse von 25 grösseren Unternehmen verschiedener Branchen gemäss den Mehrwertsteuer-Daten um 7%. Zuwächse vermochten jedoch nur die Industrieunternehmen zu realisieren. Im Industriesektor erhöhten sich die Verkaufserlöse der ausgewählten Unternehmen um 12% gegenüber dem 1. Halbjahr 2010. Die ausgewählten Unternehmen im Bereich der allgemeinen Dienstleistungen mussten einen leichten Umsatzrückgang von 3% hinnehmen. Härter getroffen wurden erneut die ausgewählten Finanzdienstleister. Ihre Umsätze gingen im Vergleich zum 1. Halbjahr 2010 um 15% zurück.

Starker Beschäftigungszuwachs

Nach den Beschäftigungsrückgängen bis Mitte 2010 infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise stieg die Beschäftigtenzahl im 1. Halbjahr 2011 wieder kräftig an. Mitte 2011 belief sich die Zahl der Beschäftigten gemäss neuer Definition auf rund 35'300 Personen (+/- 200 Beschäftigte). Gegenüber dem Stand von Mitte 2010 bedeutet dies einen Beschäftigungszuwachs von 3%. Dabei erhöhte sich die Beschäftigtenzahl im Industriesektor um 1.5% und im Bereich der allgemeinen Dienstleistungen um 4%. Im Finanzdienstleistungsbereich blieb das Beschäftigungsniveau unverändert.

Exportwachstum verlangsamt sich

Die direkten Warenexporte der liechtensteinischen Unternehmen nahmen von Januar bis August 2011 mit einem Plus von 1.8% nur noch leicht zu (ohne Exporte in die Schweiz). In den Monaten Juli und August gingen die Warenexporte sogar zurück. Besonders kräftig erhöhten sich in den ersten acht Monaten die Warenexporte nach Deutschland mit 7.9% und nach Asien mit 8.4%. Die Exporte in die USA erlitten aufgrund des schwachen Dollars hingegen einen Rückgang um 4%.

Erhöhter Neugeldzufluss bei den grösseren Banken

Im 1. Halbjahr 2011 konnten die drei grösseren liechtensteinischen Bankengruppen einen Netto-Neugeld-Zufluss von CHF 6.5 Mrd. verbuchen. Dieser Zufluss lag deutlich über den Neugeldern von CHF 2.3 Mrd., welche den drei Bankengruppen im 1. Halbjahr 2010 zugeflossen waren. Trotz des Neugeldzuflusses im 1. Halbjahr 2011 lag das betreute Kundenvermögen der drei Bankengruppen Mitte 2011 aufgrund negativer Währungs- und Börsenkurseffekte 0.5% unter dem Vorjahresstand.

Negativer Einfluss weltwirtschaftlicher Faktoren

Eine Reihe von Faktoren wirken sich derzeit ungünstig auf die konjunkturelle Entwicklung Liechtensteins aus. Die weltwirtschaftliche Abschwächung und der hoch bewertete Schweizer Franken dämpfen die Nachfrage nach liechtensteinischen Exportgütern und drücken auf die Gewinnmargen der Exportunternehmen. Gleichzeitig belasten die tiefen Zinsen und die Turbulenzen an den Finanzmärkten infolge der europäischen Schuldenkrise die Ergebnisse der Finanzdienstleister. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass sich die konjunkturelle Entwicklung der liechtensteinischen Volkswirtschaft weiter abschwächen wird.

Kontakt:

Amt für Statistik
Wilfried Oehry, Leiter
T +423 236 64 50



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