Fürstentum Liechtenstein

pafl: Plankner "Rechenmacherhaus" neu unter Denkmalschutz

Vaduz (ots/pafl) - Mit Baujahr 1558 gehört das "Rechenmacherhaus" an der Dorfstrasse 44 in Planken zu den ältesten bekannten Wohnhäusern des Landes. Dennoch hätte das Gebäude nach dem Willen der Eigentümerschaft abgebrochen werden sollen. Nun hat es die Regierung auf Antrag der Denkmalschutzkommission in das Verzeichnis der geschützten Denkmäler aufgenommen.

Baudenkmäler und archäologische Stätten sind wesentliche Zeugen unserer Geschichte. Ein solcher Zeuge ist auch die Hofstätte Nr. 33 in Planken, das sog. "Rechenmacherhaus". Das Haus steht als einziges ausserhalb der Hauserzeilen in freiem Gelände abseits der heutigen Dorfstrasse und zeugt von der einmaligen Siedlungsgeschichte der talwärts von Oberplanken hergezogenen Walser, welche hier noch vor Errichtung des neuzeitlichen Strassenrasters Wohnsitz nahmen. Das 1558 erbaute Wohnhaus gilt als ältestes bekanntes Haus von Planken und als eine der ältesten Wohnbauten im ganzen Fürstentum Liechtenstein. Gerade aus dem 16. Jahrhundert gibt es im Land mittlerweile nur noch wenige Bauten, wobei die meisten nicht mehr original erhalten und bereits mehrfach umgebaut worden sind. Aufgrund der enormen Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte sind viele derart alte Häuser bereits verschwunden.

Bedeutendes Kulturdenkmal

Auf Antrag der Denkmalschutzkommission hat die Regierung das Gebäude nun unter Denkmalschutz gestellt und sich damit gegen den Abbruch ausgesprochen. Sie bestätigt damit den baugeschichtlichen Eigenwert der Hofstätte sowie deren Bedeutung als Teil der historischen Siedlung und Kulturlandschaft von Planken. Landesdenkmalpflege und Kommission hoffen nun auf den Erhalt und die Instandsetzung der bedeutenden Liegenschaft, die Regierung hat dazu auch schon eine namhafte Kostenbeteiligung an die Restaurierung in Aussicht gestellt.

Haus der Rechenmacherfamilie Gantner

Das Wohnhaus besitzt die landestypische Raumstruktur des Drei-Raum-Hauses mit Stube, Nebenstube und lang gestreckter Küche. Im Obergeschoss befinden sich die Kammern, darüber das über eine Leiter erreichbare Dachgeschoss unter flach geneigtem Rafendach, welches bis 1913 noch steinbeschwerte Brettschindeln trug. Keller, Küche und die Brandmauer sind gegen die Stallscheune massiv in Rüfesteinmauerwerk ausgeführt. Stube, Nebenstube und Obergeschoss mit Kammern wurden als Kantholz-Strickbau errichtet. Das Haus ist in seinem heutigen Habitus geprägt von der letzten Liechtensteiner Rechenmacherfamilie Gantner. Sie hat die Liegenschaft 1889 erworben, das Wohnhaus renoviert und in klassizistischer Manier mit Schindeln verkleidet, nordseits 1922 die alte Stallscheune durch einen Neubau ersetzt sowie südseits 1906 einen Schweinestall angebaut und 1917 um eine Holzbearbeitungs‐Werkstatt aufgestockt. Vater Philipp Jakob und Sohn Josef Jakob Gantner sind an den Liechtensteinischen Landesausstellungen 1895 bzw. 1934 für ihr Schaffen ausgezeichnet worden. Die Arbeit der Rechenmacher Gantner ist in Film, Text und zahlreichen Fotographien unter der Bezeichnung "Sterbendes Handwerk" dokumentiert. Josef Jakob Gantner ist als letzter Liechtensteiner Rechenmacher in die Geschichte eingegangen. Seine Werkzeuge und Gerätschaften befinden sich heute im Liechtensteinischen Landesmuseum in Vaduz.

Kontakt:

Hochbauamt, Abt. Denkmalpflege und Archäologie
Patrik Birrer, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger FL
Tel. +423 236 62 82
patrik.birrer@hba.llv.li



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