Fürstentum Liechtenstein

pafl: Konjunkturabschwächung der liechtensteinischen Volkswirtschaft

Vaduz (ots) - Vaduz, 10. Oktober (pafl) - Nach gut vier Jahren konjunkturellen Aufschwungs befindet sich die liechtensteinische Volkswirtschaft in einer Phase der konjunkturellen Abschwächung. Wie sich aus dem aktuellen Konjunkturbericht der amtlichen Statistik ergibt, sind die Umsätze und die Warenexporte im ersten Halbjahr 2008 deutlich langsamer gewachsen. Die geringeren Wachstumsraten in wichtigen Exportländern und die Verschärfung der internationalen Finanzmarktkrise werden auch in Liechtenstein zu einer weiteren Wachstumsabschwächung führen. Stark verlangsamtes Umsatzwachstum Die Verkaufserlöse von 20 grösseren ausgewählten Unternehmen erhöhten sich im ersten Halbjahr 2008 um 5 Prozent, nachdem im zweiten Halbjahr 2007 noch ein Umsatzzuwachs von 18 Prozent erzielt worden war. Den im Jahre 2007 zu beobachtenden Überhitzungserscheinungen folgt nun eine deutliche konjunkturelle Abschwächung. Besonders gering fiel im ersten Halbjahr 2008 gemäss den Mehrwertsteuerdaten das Umsatzwachstum der Unternehmen aus Industrie und Waren produzierendem Gewerbe aus. Weiterhin hohes Beschäftigungswachstum Auf die Beschäftigung hat sich die konjunkturelle Abschwächung noch nicht ausgewirkt. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in Liechtenstein stieg bis Mitte 2008 auf 33'200 Personen und übertraf den Vorjahresstand um 4,2 Prozent. Besonders hoch fiel der Beschäftigungszuwachs mit einem Plus von 8,7 Prozent im Finanzdienstleistungsbereich aus. Dieser Zuwachs erfolgte jedoch zum wesentlichen Teil im zweiten Halbjahr 2007. Im Jahr 2008 hat sich der Beschäftigungszuwachs der Finanzdienstleister verflacht. Die Arbeitslosenquote ging innerhalb Jahresfrist von 2,8 Prozent auf 2,1 Prozent Ende September 2008 zurück. Markante Abschwächung des Exportwachstums Die direkten Warenexporte der liechtensteinischen Unternehmen erhöhten sich im ersten Halbjahr 2008 um 6,5 Prozent. Im zweiten Halbjahr 2007 hatten sich die Warenexporte mit einem Plus von 21,2 Prozent noch sehr expansiv entwickelt. Der zu beobachtende Abwärtstrend des Exportwachstums verschärfte sich in den Monaten Juli und August 2008 weiter. Für die ersten acht Monate des Jahres 2008 resultierte ein Exportwachstum von 2,9 Prozent. Das liechtensteinische Exportwachstum fiel in diesem Zeitraum deutlich geringer aus als in der Schweiz, wo eine Zunahme der Warenexporte um 7,2 Prozent verzeichnet wurde. Rückgänge beim betreuten Kundenvermögen der Banken Die Umsätze der grösseren Finanzdienstleister vermochten sich im ersten Halbjahr 2008 gemäss den Mehrwertsteuerdaten noch gut zu halten, auch wenn die Zuwächse nicht mehr so hoch ausfielen wie im Jahr 2007. Rückgänge ergaben sich beim betreuten Kundenvermögen der drei grössten Bankengruppen. Ihr Netto-Neugeld-Zufluss fiel von 9,4 Milliarden. Franken im ersten Halbjahr 2007 auf 0,6 Milliarden Franken im ersten Halbjahr 2008 zurück. Insgesamt reduzierten sich die betreuten Kundenvermögen im ersten Halbjahr 2008 um 8,1 Prozent gegenüber dem Endjahresstand 2007, was insbesondere auf die negative Börsenentwicklung zurückzuführen ist. Zuspitzung der internationalen Finanzmarktkrise Die internationale Finanzmarktkrise, die im Sommer 2007 von der Krise im US-amerikanischen Hypothekenmarkt ausgelöst wurde, hat sich in den letzten Wochen zu einer Kredit- und Bankenkrise zugespitzt. Die kurzfristigen Zinsen sind wegen der Liquiditätsprobleme auf dem Interbankenmarkt stark angestiegen, während die langfristigen Zinsen aufgrund von Rezessionserwartungen gesunken sind. An den internationalen Börsen haben sich die seit längerem zu beobachtenden Kursrückgänge verschärft. Weitere Konjunkturabschwächung in Liechtenstein zu erwarten Liechtenstein als kleine, exportorientierte Volkswirtschaft mit einem hohen Wertschöpfungsanteil von Industrie und Finanzdienstleistungen wird sich der internationalen Entwicklung nicht entziehen können. Die Wachstumsverlangsamung in den OECD-Ländern, der hohe Frankenkurs, die Sonderbelastung des Finanzplatzes Liechtenstein aufgrund der Steueraffäre sowie die sich verschärfende internationale Finanzmarktkrise lassen eine weitere Konjunkturabschwächung der liechtensteinischen Volkswirtschaft erwarten. Kontakt: Amt für Volkswirtschaft Wilfried Oehry, Leiter Abteilung Statistik Tel.: +423 236 64 50

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