Fürstentum Liechtenstein

pafl: Studie zur gesellschaftlichen Lage von Menschen mit Behinderungen

Vaduz (ots) - Insgesamt ist in Liechtenstein noch einiges zu leisten, um den verschiedenen Gruppen von Menschen mit Behinderungen mit ihren jeweils unterschiedlichen Graden an Behinderung ein diskriminierungsfreies Leben zu ermöglichen. Vaduz, 5. Dezember (pafl) - Das Liechtenstein-Institut erhielt den Auftrag eine Studie zur gesellschaftlichen Lage von Menschen mit Behinderung durchzuführen. Die Zielsetzung der Studie war das Aufzeigen der Befindlichkeit/Unzufriedenheit von Menschen mit Behinderung in den verschiedenen Lebensbereichen. Dabei sollten die Bereiche Finanzen, Arbeit, Wohnen, Mobilität, Bildung, medizinische Versorgung, Sexualität und Partnerschaft sowie das soziale Umfeld erfasst werden. Die Untersuchung umfasste das Aufzeigen der Rahmenbedingungen und Hintergründe sowie eine Umfrage in Form von qualitativen Interviews mittels teilstandardisiertem Fragebogen. Befragt wurden 30 Personen, die selbst von einer Behinderung betroffen sind und 10 Experten und Expertinnen. Die Studie wurde von Wilfried Marxer, Silvia Simon unter der Mitarbeit von Benno Patsch durchgeführt. Datenergebnisse Wenn die Daten aus der Schweiz, aus Deutschland und der EU als Referenzgrössen herangezogen werden und davon ausgegangen wird, dass sich die Wohnbevölkerung Liechtensteins bezüglich der Menschen mit Behinderungen nicht wesentlich davon unterscheidet, kann eine grobe Schätzung über Anteil und Zahl von Menschen mit Behinderung in Liechtenstein vorgenommen werden. Es wird davon ausgegangen, dass in Liechtenstein rund 18 Prozent der Bevölkerung eine mehr oder weniger starke Behinderung aufweisen. Die Behinderungsarten, gemessen an der Wohnbevölkerung, verteilen sich auf geschätzte 10 Prozent körperlich Behinderte, 3,5 Prozent Sinnesbehinderte (2,5 Prozent Sehbehinderte oder Blinde, 1 Prozent Hörbehinderte, Gehörlose oder Sprechgestörte), 1 Prozent geistig Behinderte und 3,5 Prozent psychisch Behinderte. Befragungsergebnisse Die Interviews mit den Menschen mit Behinderung und den Experten/innen im Rahmen der vorliegenden Studie haben ein facettenreiches Bild der Situation der Menschen mit Behinderung aufgezeigt. Wie zu erwarten war, stellten die Behinderungen je nach Art und Grad einer Behinderung, nach individuellen Voraussetzungen und dem jeweiligen sozialen Kontext, die Menschen mit Behinderung vor unterschiedliche Probleme. Geistige Behinderung Bei den Behinderungsarten zeigt sich, dass die Menschen mit einer geistigen Behinderung eine relativ gute Versorgung im Rahmen des Möglichen aufweisen. Die Selbstbestimmung und Selbstversorgung ist in der Regel - abhängig auch vom Grad der geistigen Behinderung - stark eingeschränkt, was jedoch von den Betroffenen nicht als Entwürdigung, sondern eher als Unterstützung angesehen wird. Körperliche Behinderung Die Menschen mit einer körperlichen Behinderung zeigen stark divergierende Behinderungsbilder auf, die von einer Gehbehinderung seit Geburt über Probleme mit Organen bis hin zur unfallbedingten Querschnittslähmung reichen. Entsprechend variieren auch die Bildungsgänge, der Grad selbstständiger Lebensführung, die Arbeitsfähigkeit. Die Liste der festgestellten Schwachstellen reicht unter anderem von finanziellen Problemen, über teilweise mühsame Behördengänge bis zur IV-Feststellung und Entschädigung von Ausgaben, Probleme bei der Aus- und Weiterbildung, das Fehlen von geeigneten Arbeitsmöglichkeiten, das geringe Verständnis der Öffentlichkeit im Falle einer nicht sichtbaren Behinderung. Sinnesbehinderung Bei den Menschen mit Sinnesbehinderungen hängen die Einschränkungen sehr stark vom Grad der Behinderung ab. Stark Sehbehinderte sind in einigen Fällen trotz ihrer Sehschwäche noch in ihrem erlernten Beruf arbeitsfähig. Sie können sich auch in ihrem privaten, familiären und sozialen Umfeld relativ gut mit ihrer Behinderung arrangieren. Bei anderen stark Sehbehinderten und Blinden ist die Lage anders. Sie sind auf Unterstützung im Haushalt und in der Lebensführung angewiesen und können meist keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen und sind in den sozialen Kontakten sehr eingeschränkt. Gehörlose sind zwar in Ausbildung und Arbeit weniger eingeschränkt als Blinde, haben jedoch Kommunikationseinschränkungen, die sich in Ausbildung, Beruf und Privatleben stark auswirken können. Psychische Behinderung Menschen mit einer psychischen Behinderung sind eine stark vernachlässigte Behindertengruppe. Da man ihnen die Behinderung nicht unbedingt ansieht - oder weil sie in Krisenzeiten gar nicht in der Öffentlichkeit, sondern in Kliniken oder den eigenen vier Wänden sind - wird ihnen häufig Simulation einer Behinderung vorgeworfen. Die Betroffenen fallen aus ihrem geregelten Leben, müssen die Arbeit aufgeben, können ihre Ausbildung nicht mehr in eine neue Arbeit einbringen, bekommen Probleme in ihrem partnerschaftlichen und sozialen Leben und stehen vor finanziellen Schwierigkeiten. Gleichzeitig ist diese Behindertengruppe nur unzulänglich betreut. Handlungsfelder Die aufgezeigten Problembereiche zeigen auf, dass verschiedene Handlungsfelder genauer zu prüfen und Massnahmen abzuleiten sind. Kontakt: Stabsstelle für Chancengleichheit Bernadette Kubik-Risch Tel.: +423/236 60 60

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