Fürstentum Liechtenstein

pafl: Die Rückkehr des Bären in die Alpen - eine Herausforderung

      (ots) - Eine gemeinsame Stellungnahme der Teilnehmer am Alpinen
Bärenworkshop in Triesenberg, Liechtenstein, 14. bis 16. Mai 2007

    Vaduz, 16. Mai (pafl) - Experten und Behördenvertreter aus Deutschland, Italien, Kroatien, Liechtenstein, Österreich, Slowenien, der Schweiz und des Europarates hielten vom 14. bis 16. Mai in Triesenberg, Liechtenstein, einen Workshop zum Umgang mit dem Braunbären in den Alpen ab. Ziel war es dabei, die gemeinsamen Interessen zu identifizieren sowie eine internationale Zusammenarbeit in Fragen der Erhaltung und des Managements der sich erholenden Bärenpopulation in den Alpen zu fördern.

    Der Braunbär kehrt in die Alpen zurück. Sein Comeback wird ermöglicht durch die natürliche Ausbreitung der Dinarischen Population in die slowenischen, österreichischen und italienischen Alpen, aber auch durch die Freilassungen in Österreich und im italienischen Trentino, wo auf diese Weise die letzte Bärenpopulation der Alpen gerettet wurde. Die natürliche Ausdehnung der Population mit den fortpflanzungsfähigen Weibchen ist ein langsamer Prozess, der Jahrzehnte dauern wird. Abwandernde Jungbären können allerdings weit vor der Populationsfront angetroffen werden. Wandernde junge Männchen haben bereits Österreich, die Schweiz und Deutschland erreicht, und sie können in Zukunft auch in Liechtenstein und Frankreich auftauchen.

    Der Braunbär ist ein Teil des Naturerbes in den Alpen; die Alpenländer begrüssen seine Rückkehr, was auch in den nationalen Gesetzgebungen oder der EU-Habitat Direktive sowie in den Empfehlungen der Berner Konvention, der Alpenkonvention und dem Übereinkommen zur Erhaltung der natürlichen Vielfalt seinen Ausdruck findet. Die Rückkehr des Bären kann auf verschiedene Weisen zustande kommen - durch natürliche Ausbreitung, durch Aufstockung des Bestandes oder Wiederansiedlung: Eines Tages werden die Alpenländer eine grosse gemeinsame Bärenpopulation teilen, die sie unter einheitlichen Gesichtspunkten betrachten und einem länderübergreifenden Konzept unterstellen müssen.

    Obwohl die ökologischen Bedingungen für die Braunbären in den Alpen heute günstig und besser sind als zur den Zeiten der Ausrottung, kehren die Bären in eine andere Welt zurück als vor hundert Jahren. Die Wälder haben sich wieder ausgedehnt und die natürliche Nahrungsgrundlage für sie hat sich verbessert. Gleichzeitig sind die Alpen aber eines der am stärksten genutzten Gebirge der Welt. Die natürlichen Lebensräume infolge der intensiven Nutzung der Täler und der Infrastrukturentwicklung für Verkehr und Tourismus sind zunehmend fragmentiert.

    Die breite Öffentlichkeit mag zwar die Rückkehr des Bären begrüssen, ausschlaggebend ist letztlich aber vor allem die Akzeptanz derjenigen Leute, die in den Bärengebieten leben. Die Rückkehr eines Grossraubtiers bringt eine Zahl von Herausforderungen mit sich, mit denen wir umzugehen lernen müssen. Bären können Schäden an Nutztieren oder anderem Besitztum anrichten, und sie stellen ein potenzielles Risiko für den Menschen dar. Das macht die Erhaltung des Braunbären in den Alpen zu einer ganz besonderen Aufgabe. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass die Situation der Bären von Land zu Land heute sehr unterschiedlich ist und für absehbare Zeit auch bleiben wird. Slowenien weist eine beachtliche Zahl von Bären auf  und zum gängigen Management gehört dort auch die Reduktion des Bestands. Für Italien und Österreich besteht die Herausforderung derzeit in der Erhaltung der kleinen und noch sehr anfälligen Population. In Deutschland, Liechtenstein, Frankreich und der Schweiz hingegen wird jeder auftetende Bär zu einem sensationellen Ereignis, das grosses öffentliches Interesse entfacht. Der gemeinsame Fokus der Alpenländer ist jedoch der Schutz der gesamten Population, nicht einzelner Individuen. Ohne Zweifel bedingt der Erhalt einer Bärenpopulation in einer vom Menschen dominierten Landschaft wie den Alpen ein aktives Management, einschliesslich Massnahmen wie die Aufklärung der Leute, Reduktion der Habitat-Fragmentierung, Verhinderung und Vergütung von Schäden, Vergrämungsaktionen und dem Entfernen einzelner Bären, falls andere Mittel versagen. Der Bär ist in den Alpen nach wie vor gefährdet, allerdings mit unterschiedlichem Erhaltungs-Status in den einzelnen Ländern. Das Entfernen eines Bären erfordert deshalb nicht nur eine umfassende Beurteilung des Verhaltens des Tiers, sondern muss auch die nationale oder lokale Situation der Bärenpopulation und die öffentliche Wahrnehmung des Ereignisses berücksichtigen. Es bedingt eine Beurteilung von Fall zu Fall durch die zuständigen Verwaltungen und in den meisten Fällen auch eine gegenseitige Konsultation über die Landesgrenzen hinweg.

    Mehrere Alpenländer haben bereits Konzepte für den Umgang mit Braunbären in Kraft gesetzt. Diese Richtlinien stimmen mit den allgemeinen Prinzipien des Naturschutzes oder des Umgangs mit Wildtieren überein, unterscheiden sich jedoch in Details, je nach Situation in den einzelnen Ländern. Es besteht allerdings ein klarer Konsens darüber, dass die Rückkehr des Bären und die Erhaltung der Population im Alpenbogen nur möglich ist, wenn die Alpenländer eng zusammen arbeiten. Voraussetzung für eine solche Zusammenarbeit ist ein intensiver Austausch zwischen nationalen und regionalen Institutionen, die in den verschiedenen Ländern für den Erhalt der Wildtiere zuständig sind. Die beiden jungen Bären, die unter den Namen JJ1 alias Bruno und JJ2 alias Lumpaz bekannt wurden und kürzlich von Italien nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz wanderten, haben die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit eindrucksvoll veranschaulicht. Diese Zusammenarbeit muss auch einen gemeinsamen Lernprozess und eine schrittweise Anpassung des Managements umfassen. Die Alpenländer werden sich in Zukunft vermehrt und gemeinsam um ein grenzüberschreitendes Vorgehen beim Erhalt und dem Management des Braunbären bemühen. Die Zusammenarbeit wird den Informationsaustausch, vereinheitliches Monitoring, den Unterhalt gemeinsamer Datenbanken und die gegenseitige Abstimmung von Vorgehensweisen beinhalten. Sie sollte zu einem Konzept von einheitlichen  Massnahmen zum Erhalt und zum Management der Bärenpopulation in den Alpen führen. Regelmässige Treffen zum Austausch von Erfahrungen und zur Diskussion von Fragen von gemeinsamem Interesse - zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Umgang mit Bären, die über internationale Grenzen wechseln - sind geplant.

    Nach einer ersten Zusammenkunft zum Alpenbären in Trento (Italien) und einem Folgetreffen in Chur (Schweiz) im Jahr 2006 trafen sich nun vom 14. bis 16. Mai die für das Wildtier-Management zuständigen Behörden der Alpenländer und Bärenfachleute in Triesenberg (Liechtenstein), wo die Teilnehmer diese gemeinsame Stellungnahme ausarbeiteten. Das nächste Treffen wird in Bayern, Deutschland, stattfinden.

Pressekontakt:
Amt für Wald, Natur und Landschaft
Dr. Felix Näscher
Tel.:  +423/236 64 00



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