Fürstentum Liechtenstein

Präsentation der Skulptur "Ruhende Frau", 1993 von Fernando Botero

    Vaduz (ots) - Das Kunstmuseum Liechtenstein hat von der Lampadia-Stiftung Vaduz, und mit der Unterstützung der Stiftung zur Errichtung eines Kunstmuseums, Vaduz, eine Skulptur des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero (geb. 1932) ,Ruhende Frau», 1993, Bronze, Ex. 1/3, als Geschenk erhalten. Die Skulptur, die in figurativem Stil einen liegenden Frauenakt als Symbol der schlafenden Seele zeigt, steht in der Tradition der Monumentalskulptur und ist somit für den Aussenraum entstanden. Am Montag, 8. Juli 2002, wurde die ,Ruhende Frau» an der Ostseite des Kunstmuseum Liechtenstein vor dem Seitenlichtsaal aufgestellt und übergeben.

    "Kunst ist immer ein Übertreiben der Wirklichkeit, ihrer Farbe, ihrer Form, ihrer geistigen Bedeutung", sagt Fernando Botero, wenn man ihn nach den ausufernden Formen seiner Figuren fragt, die sowohl seine Malerei als auch seine Plastiken bestimmen. Dieses Volumen steht für die Präsenz seiner Figuren, die Räume und Orte füllen und Ausgewogenheit sowie Schönheit vermitteln. In ihrer würdevollen Gestalt und mit ihren ausufernden Formen ist die ,Ruhende Frau» charakteristisch für das Werk Boteros. Der 1932 in Medellín, Kolumbien, geborene Künstler lässt in seinen Werken die Sinnlichkeit, Schönheit und Fruchtbarkeit der Frau bildlich werden. Bereits in den frühen Jahren seines Schaffens erzählen seine Frauenakte davon. Doch setzte Botero das Volumen von Figuren in seinen Bildern nicht immer nur dazu ein, um vollkommene Ästhetik, Harmonie und Sinnlichkeit visuell umzusetzen, sondern auch um Gesellschaftskritik zu üben und die Unterdrückung des Francoregimes darstellen zu können, der er nach der Emigration nach Spanien im Jahr 1952 ausgesetzt war. Die ,Ruhende Frau» aus dem Jahr 1993 erzählt jedoch von einer anderen Zeit, in der die Betrachtung der Schönheit zur Kontemplation führt. Vergleicht man die Bronzeskulptur mit den antiken, mythologischen Venusgestalten, in der Ausstellung ,Götter wandelten einst...» aus der Fürstlichen Sammlung im Kunstmuseum Liechtenstein, dann fällt auf, dass die "Ruhende Frau" Boteros nicht nur jeglicher Liebesattribute beraubt ist, sondern auch eine passive Haltung eingenommen hat. Sie sucht nicht wie die Venus, die Peter Paul Rubens zu Beginn des 17. Jahrhunderts gemalt hat, durch ihren Blick den Betrachter zu becircen oder wie die bekannte Venus Medici durch ihre anmutige Haltung und Gestik. Vielmehr hat sich die ,Ruhende Frau» von Fernando Botero mit geschlossenen Augen auf ihrem bronzenen Laken zurückgelegt, die Arme genüsslich im Nacken verschränkt. Durch das Bewusstsein der Perfektion ihrer Gestalt und durch ihre Sinnlichkeit, welche die schlafende Venus durch die Übertriebenheit ihrer Formen zum Ausdruck bringt, fügt sie sich nahtlos in die Reihe der historischen Venusgestalten ein, die im Namen der Perfektion und Verführung geschaffen wurden. Ihre Passivität jedoch verrät auch etwas von der Zeitlosigkeit, die Fernando Botero im Sinn hatte, als er diese Skulptur schuf. Denn durch die Ausdruckslosigkeit ihrer Physiognomie erzählt sie von einer Unantastbarkeit, die sie über allen Ereignissen stehen lässt und die sie über die Menschen erhebt. Sie erinnert an die maskenhaften Gesichter und verlorenen Blicke ägyptischer Gottheiten, die einst unnahbar über den Menschen walteten.  

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