Fürstentum Liechtenstein

Ein 600 Jahre altes Wohnhaus öffnet seine Türen - Besichtigung am Tag des Denkmals in Liechtenstein

Vaduz (ots) - Der historische Kernbau gehört mit um 1410 dendrodatiert zu den ältesten bisher bekannten und untersuchten Bauernhäusern des Fürstentums Liechtenstein! Im Rahmen des Europa-Tag des Denkmals am 22. September 2001 kann das Gebäude zwischen 10.00 und 12.00 Uhr besichtigt werden. Die Führungen werden durch den Archäologen Hansjörg Frommelt begleitet. Der Gebäudekomplex steht im Vaduzer Mitteldorf, also in einem der drei Siedlungskerne Oberdorf - Mitteldorf - St. Florin, in der Strassengabelung Mitteldorfstrasse - Kasperigasse. Die Hofstatt ist ringsum von Reben umgeben, die Gewölbekeller zum Kernbau lassen den einstigen Bauherrn als Winzer erraten. Ursprünglich teilte sich die Liegenschaft in drei Eigentümer. Die Adressaten Mitteldorf 22 und Mitteldorf 24 finden wir unter gemeinsamem Satteldach, eigentumsrechtlich dem First entlang getrennt. Zu diesen beiden Wohnteilen haben Scheune und Stall gehört, deren Fundamente sind als Stützmauern südöstlich des Wohnhauses Mitteldorf 22 noch erkennbar. Die Gebäude sind 1962 abgebrochen worden, an ihrer Stelle steht nun eine Wohnhauserweiterung. Das Wohnhaus Kasperigasse 2 ist nordseits an das Mitteldorf 22 - 24 angebaut, es bestehen aber keinerlei baugeschichtliche Zusammenhänge. Alle drei Wohnteile zeigen in ihrer Raumordnung den traditionellen Hausgrundriss. Dendrochronologisch ermittelt finden wir in Mitteldorf 22 - 24 einen Kernbau um 1410, als zweigeschossigen Bohlenständerbau erstellt. Eine weitere Dendrodatierung erbringt der stehende Dachstuhl über erweitertem Grundriss und erneuerten Innenausbauten mit Fälljahr Herbst/Winter 1664/65. Die Baugruppe zeigt zudem eine vielfältige Chronologie ständiger Umbauten, wie sie in ihrer Entwicklung erkannt, aber nicht mit Baudaten versehen werden kann. Stilistisch lassen sich Ausbauten des 17. bis 20. Jh. erkennen, so eine spätbarocke Raumgestaltung, barocke Rigelwerkbemalungen sowie diverse Türbeschläge und Fenster des 19. Jh. Das angebaute Wohnhaus Kasperigasse 2 ist wohl um 1870 erbaut worden. An seiner Stelle können möglicherweise nicht mehr nachweisbare Oekonomiebauten zu Mitteldorf 22 - 24 gestanden haben. Der Wohnbau repräsentiert in äusserst prägnanter, kompakter und einheitlicher Art Handwerk und Architektur seiner Zeit. Das Baudatum leiten wir daraus ab, dass erstmals ab 1870 Eigentümer genannt werden. Seine Architektur zeigt stilistisch die Zeit der Biedermeier, im Innenausbau finden wir jedoch Materialien des letzten Drittels des 19. Jh., so dass wir durchaus eine Errichtung um 1870 postulieren dürfen. Nachdem das Gebäude in den Jahren 1990 bis 1992 eine umfassende Renovation erfahren hat wird es seitdem wieder als Wohnhaus genutzt. Dendrochronologie Die Dendrochronlogie ist eine Datierungsmethode, die es erlaubt, den Zeitraum zu bestimmen, während dem ein Baum lebte und das Jahr oder genauer gesagt, die Jahreszeit zu bestimmen, zu der der Baum gefällt wurde. Chronologie 1410 Erbauung als Bohlenständerbau. 16. Jh. Erweiterung des Hauses gegen Südosten. Aufteilung in zwei Wohneinheiten. 1665 Veränderungen an den Aussenwänden (Mauerwerk mit Fenstern). Rauchabzüge über den Herdstellen. Neuer Dachstuhl. 18. Jh. Neue Befensterung. Erneuerung der gesamten Südfassade. 19. Jh. Mehrere kleine Umbauten. Nordseitiger Anbau des Wohnhauses Nr. 2 in der "Kasperigasse". 1988 Baugeschichtliche Untersuchung 1989 Unterschutzstellung der Liegenschaft 1990-92 Umfassende Gesamtrenovation Europa-Tag des Denkmals im Füerstentum Liechtenstein Wohnen im Baudenkmal Samstag, 22. September 2001 PROGRAMM Vaduz Arbeiterwohnhaus in der Arbeitersiedlung Mühleholz, Im Mühleholz 39 Besichtigung von Arbeiterwohnhäusern und der Speicherbecken des Wasserkraftwerkes Oeffnungszeiten: 14.00 - 17.00 Uhr Führungen: Stündlich (Monika Michels) Postauto: Linie 1, Haltestelle Mühleholz Vaduz Haus Sele, Kasperigasse 2 Führung durch das 600 Jahre alte Haus Oeffnungszeiten: 10.00 - 12.00 Uhr Führungen: Stündlich (Hansjörg Frommelt) Postauto: Linie 1, Haltestelle Quäderle Triesen Haus Banzer, Lindengasse 3 Einblick in das kürzlich sanierte Wohnhaus Oeffnungszeiten: 14.00 - 17.00 Uhr Führungen: Stündlich (Peter Albertin) Postauto: Linie 1, Haltestelle Adler oder Linie 40-41, Haltestelle Langgasse Mauren Haus Matt, Kirchabot 80 Baugeschichte und bevorstehende Renovierung Oeffnungszeiten: 10.00 - 12.00 Uhr Führungen: Stündlich (Peter Albertin und David Eggenberger) Postauto: Linie 70/ 72 oder 60, Haltestelle Post Schellenberg Wohnmuseum Haus Biedermann, Im Dorf 12 Bäuerliche Wohnkultur mit liechtensteinischen Spezialitäten Oeffnungszeiten: 13.00 - 18.00 Uhr Führungen: Bei Bedarf (Rosemarie Biedermann) Postauto: Linie 50-52 oder 60, Haltestelle Post Information: Hochbauamt/Denkmalpflege, Tel. Nr. +423 236 62 62, E-Mail: denkmalpflege@hba.llv.li Hinweis: Das Parkplatzangebot ist beschränkt. Bitte nutzen Sie die öffentlichenVerkehrsmittel. Am 22. September 2001 können die Postautos der Liechtenstein Bus Anstalt kostenlos in Anspruch genommen werden. ots Originaltext: pafl Internet: www.newsaktuell.ch Kontakt: Presse- und Informationsamt des Fürstentums Liechtenstein (pafl), Tel. +423 236 67 22, Fax +423 236 64 60.

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