Bundesamt für Statistik

Jugendkriminalität: Überwiegend Vermögens- und Betäubungsmittelstraftaten

    Neuenburg (ots) - Im Jahre 2000 gab es insgesamt 11'314 Verurteilungen von Minderjährigen durch Jugendanwaltschaften, Gerichte oder Schulpflegen, wovon ein Viertel Kinder (7- bis 14-Jährige) betreffen. Strafrechtlich geahndete Kinder- und Jugenddelinquenz umfasst mit 37% am häufigsten Betäubungsmittelkonsum und am zweithäufigsten Diebstahl (32%). Nach Ausschluss der Verurteilungen wegen Strassenverkehrsdelikte, für die Minderjährige im Vergleich zu Erwachsenen kaum in Betracht kommen (11% im Vergleich mit 54%), ist der Anteil der Gewaltdelikte mit 11% gering höher als bei den Erwachsenen (9%). Dies geht aus der neuen Erhebung zur Jugendstrafurteilsstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

    Als Sanktionen werden in über 60% der Fälle Verweise oder Arbeitsleistungen verhängt. Dagegen kommen die für Erwachsene üblichen freiheitsentziehenden Strafen (hier Einschliessungen) und Bussen bei nur einem Viertel der Strafurteile vor.

    Bezogen auf alle strafmündigen Minderjährigen der Wohnbevölkerung wurden im Jahr 2000 1,1% verurteilt. Dabei weisen die männlichen Minderjährigen eine vier mal grössere Verurteiltenrate auf als die weiblichen (1,9% bzw. 0,5%) und ausländische Minderjährige eine doppelt so grosse als Schweizer (1,8% bzw. 0,9%).

    Unterschiedlich viele Verurteilte pro Kanton

    Neben Unterschieden in den Lebensbedingungen von Minderjährigen mit oder ohne Schweizer Staatsangehörigkeit dürften zum Teil auch kantonal unterschiedliche Reaktionsweisen auf problematisches Verhalten von Kindern und Jugendlichen zu unterschiedlich grossen Verurteiltenraten von ausländischen und Schweizer Minderjährigen beitragen. So reicht der Anteil der Verurteilten insgesamt von 0,5% (UR) bis zu 1,8% (BS). Werden gesamthaft doppelt so viele ausländische als Schweizer Minderjährige verurteilt, weisen einige Kantone eine zweieinhalb- bis dreieinhalbfach so hohe Rate der ausländischen Minderjährigen auf (Luzern, Freiburg, St. Gallen, Thurgau, Schwyz, Appenzell I.Rh. und Zug). In anderen Kantonen gibt es hingegen nur geringe Unterschiede (Tessin, Jura, Genf, Nidwalden, Obwalden, Glarus und Appenzell A.Rh).

    Gewaltstraftaten

    11% der registrierten strafrechtlichen Entscheide gegenüber Minderjährigen (ohne Strassenverkehrsdelikte) wurden im Jahr 2000 wegen Gewaltdelikten gefällt. Von diesen 1160 Verurteilungen betreffen 88% männliche Minderjährige. Häufiger als bei Erwachsenen handelt es sich dabei um einfache Körperverletzung (254) und Tätlichkeiten (504) - überwiegend innerhalb der Gruppe Gleichaltriger - , Raub (189) und Erpressung(89) und relativ seltener um Freiheitsberaubung (11) sowie Drohung und Nötigung (259); ein Tötungsdelikt kam im Jahr 2000 nicht vor.

    Im Zusammenhang mit Jugendkriminalität wird zuweilen eine zunehmende Gewaltbereitschaft" konstatiert. Zur statistischen Überprüfung dieser Annahme fehlen derzeit jedoch zuverlässige Daten sowohl aus Täter- und Opferbefragungen als auch aus Kriminalstatistiken. Die frühere, mit der derzeitigen Erhebung nicht direkt vergleichbare Jugendstrafurteilsstatistik zeigt zwischen 1988 und 1998 eine Verdreifachung der Anzahl der Verurteilungen wegen Leib- und Lebensdelikten von 269 auf 860. Allerdings lässt sich nicht klar entscheiden, wie weit dieser Anstieg auf eine tatsächliche Zunahme von Gewaltanwendung Jugendlicher zurückzuführen ist. Möglicherweise spielt auch eine erhöhte Sensibilität der Gesellschaft gegenüber Gewalt bzw. eine veränderte Reaktionsweise der Behörden eine Rolle. Im Übrigen darf nicht vergessen werden, dass Minderjährige häufiger Opfer als Täter sind - vor allem im familiären Bereich mit seinem erheblichen Dunkelfeld.

ots Originaltext: BFS
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