Bundesamt für Statistik

Ambulante Suchtberatung 1999

Häufig Rückfälle trotz Wunsch nach völliger Abstinenz Neuenburg (ots) - Sowohl am Anfang als auch am Ende der ambulanten Suchtberatung beabsichtigen viele Ratsuchende, den Konsum der problematischen Substanz (Alkohol, Heroin oder andere Substanzen) vollständig aufzugeben. Von den Klientinnen und Klienten mit Heroinproblemen sind dies mehr als von den Ratsuchenden mit Problemen im Alkoholbereich. Viele Klientinnen und Klienten mit problematischem Substanzkonsum sind jedoch trotz ihres Wunsches nach einer definitiven Abstinenz während der psychosozialen Beratung rückfällig. Dies zeigt die Statistik der ambulanten Behandlung und Betreuung im Alkohol- und Drogenbereich (SAMBAD) von 1999, welche das Bundesamt für Statistik (BFS) zusammen mit der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) soeben veröffentlicht hat. Eigene Suchtprobleme: mehr Beratungen für Männer 1999 liessen sich wie schon in den Vorjahren mehr Männer als Frauen bei einer ambulanten Suchtberatungsstelle bezüglich eigener Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol, Heroin oder anderen Substanzen beraten: Der Frauenanteil bei den Ratsuchenden war sowohl im Alkohol- als auch im Heroinbereich 29% (Männer 71%). Gerade umgekehrt ist das Geschlechtsverhältnis bei den Angehörigen: 80% der Angehörigen, die sich beraten liessen, waren Frauen. Bei Personen mit Alkoholproblemen dauert es ab Beginn des regelmässigen Konsums im Durchschnitt 18,8 Jahre, bis sie eine Beratungsstelle aufsuchen, bei Personen mit Heroinproblemen 7,9 Jahre. Personen mit Heroinproblemen haben häufig mehrmalige Behandlungserfahrungen, während im Alkoholbereich deutlich mehr Ratsuchende erstmals auf einer Beratungsstelle erscheinen (Alkohol: rund 56% der Männer, 44% der Frauen; Heroin: 27% der Männer, 29% der Frauen). Ein Grossteil der Personen, die eine Beratung aufsuchen, erwarten Hilfe bei Beziehungsproblemen. Knapp 1/3 der Personen mit eigenen Substanzproblemen konsultieren wegen Beziehungsproblemen eine Beratungsstelle, von den Angehörigen der substanzabhängigen Personen sind es fast æ. Die Angehörigen zeigen zudem mehr Eigeninitiative: Fast 80% der Angehörigen, hingegen lediglich 55% der Ratsuchenden mit Substanzproblemen kommen aus eigener Initiative in die Beratung. Werden Beratungen vermittelt, geschieht dies meistens durch Medizinalpersonen; Freundinnen und Freunde treten immer noch selten als Vermittlerinnen und Vermittler sowohl von Angehörigen als auch von Personen mit einem problematischen Konsum im Alkohol- und Drogenbereich auf. Mehr Heroinkonsumenten als Personen mit Alkoholproblemen und mehr Frauen als Männer streben die absolute Abstinenz an Ratsuchende mit Heroinproblemen beabsichtigen häufiger, den Konsum vollständig aufzugeben, als Ratsuchende mit Problemen im Alkoholbereich. Bei Beratungsbeginn sind es 74% im Heroinbereich und 43% im Alkoholbereich. Am Ende der Beratung sind es deutlich weniger: 48% der Personen mit Heroinproblemen und 38% der Personen mit Alkoholproblemen beabsichtigen den Konsum definitiv aufzugeben. Frauen äussern dies etwas häufiger als Männer. Im Vergleich zum Heroinbereich werden im Alkoholbereich häufig zeitlich begrenzte Abstinenz und kontrollierter Konsum ins Auge gefasst. Rückfallquote bei Heroinproblemen grösser als bei Alkoholproblemen Unter den Ratsuchenden mit Heroinproblemen sind mehr als 60% der Frauen und auch mehr als 60% der Männer in Bezug auf die Ziele der Behandlung rückfällig, unter den Personen mit Alkoholproblemen sind es rund 40% der Männer und rund die Hälfte der Frauen. Während im Heroinbereich Frauen relativ häufig einzelne Rückfälle haben, kommen im Alkoholbereich mehrmalige Rückfälle bei weiblichen Ratsuchenden verhältnismässig häufig vor. Substitution mit Methadon Der soeben vom BFS veröffentlichte SAMBAD-Bericht 1999 erlaubt zum ersten Mal eine Betrachtung der Personen mit Opiatproblemen, die an einem Methadon-Programm teilnehmen und sich gleichzeitig auf einer ambulanten Suchtberatungsstelle beraten lassen. Für diese Personen ist die oft geforderte psychosoziale Begleitung von Methadonbehandlungen erfüllt. 1/3 aller mit SAMBAD registrierten Ratsuchenden mit Opiatproblemen befinden sich zu Beginn der psychosozialen Beratung in einer Methadonbehandlung. Die methadonbehandelten und die nicht methadonbehandelten Ratsuchenden unterscheiden sich in mehreren Aspekten: So sind die Personen mit Methadonsubstitution leicht älter (Frauen im Durchschnitt 28,0 Jahre, Männer 29,3 Jahre) als die Ratsuchenden ohne Methadon (Frauen: 26,4 Jahre, Männer: 27,9 Jahre). Bezüglich früherer Behandlungen sind rund 80% der methadonbehandelten Klientinnen und Klienten nicht zum ersten Mal in einer Beratung, bei den nicht mit Methadon behandelten Ratsuchenden sind es rund 60%. Rückfälle während der psychosozialen Beratung sind bei den Personen, die an einem Methadonprogramm teilnehmen, zahlreicher als bei den nicht methadonbehandelten Ratsuchenden, nämlich bei rund 2/3 der Klientinnen und Klienten (nicht Methadonbehandelte: 63% der Männer, 56% der Frauen). Auf der anderen Seite reduzierte sich am Schluss der psychosozialen Beratung bei de n mit Methadon behandelten Männern die Arbeitslosigkeit um rund 15%, bei den nicht methadonbehandelten Klienten lediglich um knapp 7%. Im Jahr 1999 wurden in der Schweiz 17'907 mit Methadon substituierte Personen registriert (Bundesamt für Gesundheit (BAG): URL: http://www.act-info.ch/nms1999/dindex.htm). Das BAG führt am 8. und 9. November 2001 eine Nationale Substitutionskonferenz durch, an der generelle Empfehlungen für die Substitutionsbehandlung von Personen mit Problemen im Opiatbereich entwickelt werden sollen. Nähere Informationen hierzu sind zu finden unter der folgenden Adresse: http://www.admin.ch/bag/sucht/d/index.htm. Qualitätssicherung durch Kompetenzförderung der Mitarbeitenden Der neue SAMBAD-Bericht zeigt zum ersten Mal die Möglichkeiten der Weiterbildung und der Supervision der beratenden Personen auf: In rund 94% aller spezialisierten Suchtberatungsstellen sowie polyvalenten Dienste und in knapp 80 % der psychiatrischen Dienste haben die Mitarbeitenden die Möglichkeit gehabt, sich fortzubilden. Die Beratungspersonen können externe SupervisorInnen beiziehen. Diese beraten oder beaufsichtigen die Mitarbeitenden bei Problemen mit Klientinnen und Klienten (Fallsupervision) oder bieten ihnen bei Problemen untereinander im Team Hilfestellung an (Teamsupervision). Fallsupervision ist in knapp æ der spezialisierten Suchtberatungsstellen und psychiatrischen Dienste möglich, Teamsupervision in mehr als der Hälfte der auf Sucht spezialisierten Beratungsstellen. Eine weitere Möglichkeit ist die Intervision. Darunter wird die gegenseitige Unterstützung der Beratungspersonen bei Problemen mit Klientinnen und Klienten verstanden. Methodischer Steckbrief zu SAMBAD 1999 Die Statistik der ambulanten Behandlung und Betreuung im Alkohol- und Drogenbereich (SAMBAD) wird seit dem 1. Juli 1994 geführt und ist Bestandteil des Statistikprogramms des Bundes. Die Teilnahme der Suchtberatungsstellen ist freiwillig. Verantwortlich für die Erfassung und Aufbereitung der Daten ist das Bundesamt für Statistik (BFS). Die Datenanalyse erfolgt in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA), ermöglicht durch ein Mandat des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Der daraus resultierende Bericht gibt Aufschluss über die Arbeit der Alkohol- und Drogenberatungsstellen in der ganzen Schweiz und untersucht die Lebensverhältnisse, Konsumformen und die daraus entstandenen Probleme ihrer Klientinnen und Klienten. Angesprochene Beratungsstellen SAMBAD berücksichtigt alle ambulanten Beratungsdienste mit einem Angebot für Personen mit Abhängigkeitsproblemen (Alkohol, Medikamente, illegale Drogen), sofern dieses Angebot auf eine minimale Dauer von 3 Kontakten ausgerichtet ist. Einrichtungen für punktuelle Hilfe wie Gassenküchen, Kontakt- und Anlauf- oder Notschlafstellen werden nicht einbezogen. Es sind zwei Befragungsebenen zu unterscheiden: Bei der Institutionenbefragung beträgt die Beteiligungsquote 81,6% der erfassten psychosozialen Institutionen (218 von insgesamt 267) und 86,5% aller auf Sucht spezialisierten Beratungsstellen (154 von insgesamt 178). Auf der Ebene der Beratungen (Klientinnen- und Klientenstatistik) haben sich 41,2% aller registrierten Institutionen beteiligt (110 von insgesamt 267 Institutionen) und 55,1% der auf Sucht spezialisierten Beratungsstellen (98 von insgesamt 178). Seit Beginn der SAMBAD hat die Zahl der Beratungsstellen insgesamt abgenommen und damit auch die Population der SAMBAD-Statistik. Insbesondere ist die Zahl d er Beratungsdienste im Alkoholbereich zurückgegangen, während im Bereich der illegalen Drogen die Zahl der Beratungsstellen zunächst bis 1997 angewachsen und erst seit 1998 zurückgegangen ist. Erfasste Beratungen resp. Behandlungen SAMBAD erfasst nicht Klientinnen und Klienten, sondern Beratungen (Therapien, Betreuungen). Klienten, die sich an mehreren Orten gleichzeitig beraten lassen, werden entsprechend auch mehrfach erfasst. Es werden nur Beratungsepisoden in die Statistik aufgenommen, die mindestens drei Kontakte umfassen. Die Statistik umfasst Neuaufnahmen, Abschlüsse und Zwischenberichte (sog. Jahresendzensus) von Beratungen resp. Behandlungen der berücksichtigten ambulanten Beratungsdienste. Die teilnehmenden Beratungsstellen verzeichneten für 1999 insgesamt 5'319 neue Beratungs-auf-nahmen. Diese Zahl entspricht nur einem Teil der behandelten Fälle. Bei 2'153 Beratungsabschlüssen lag der Beginn vor 1999, und bei 2'979 Fällen des Jahres 1999 liegen nur die Angaben aus dem Jahresendzensus vor. Neuerscheinung: Bundesamt für Statistik, Ambulante Suchtberatung 1999, Statistik der ambulanten Behandlung und Betreuung im Alkohol- und Drogenbereich, Neuch‚tel 2001. Bestellnummer: 229-9900 Bestellungen: Tel. 032 713 60 60, Fax 032 713 60 61 ots Originaltext: BFS Internet: www.newsaktuell.ch Kontakt: PD Dr. phil. Mark Galliker, Schweizerische Fachstelle für Alkohol und andere Drogenprobleme (SFA), Lausanne Tel. +41 21 321 29 91 Dr. Roland Calmonte, Bundesamt für Statistik, Sektion Gesundheit, Tel. +41 32 713 65 64 Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS http://www.statistik.admin.ch

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