Touring Club Schweiz/Suisse/Svizzero - TCS

Crashtest Brilliance BS6 Grosse Defizite beim ersten China-Auto

    Bern (ots) - Der TCS nahm zusammen mit anderen Automobilclubs den Brilliance BS6 unter die Lupe. Das Ergebnis ist ernüchternd: Das erste für den Schweizer Markt vorgesehene chinesische Auto erhielt insgesamt nur einen von fünf Sternen. Dies vor allem, da beim Frontal- wie beim Seitenaufprall die Frontpassagiere sehr schlecht geschützt sind, denn Airbags ohne eine stabile Fahrgastzelle reichen nicht für ein gutes Resultat. Einzig der Kinderschutz (auf den Rücksitzen) fällt befriedigend aus.

    Der Brilliance BS6 erreichte beim Frontcrash mit 64 km/h nur 4 von 16 möglichen Punkten. Bedingt durch die sehr instabile Fahrgastzelle ist davon auszugehen, dass die eindringenden Fahrzeugteile bei einem realen Frontalzusammenstoss ein unkontrollierbares Risiko für die Insassen darstellen und schwerste Verletzungen verursachen. Mit diesem Ergebnis wird deutlich gezeigt, dass sich Brilliance noch nicht mit den in Europa anerkannten Sicherheitsstandards auseinandergesetzt hat. Lenkrad, Instrumententafel und Vorderrad dringen derart massiv in den Fahrgastraum ein, dass kaum noch Überlebensraum vorhanden ist. Die gravierenden Folgen sind schwere Kopfverletzungen, Einklemmen des Fahrers und zerquetschte Beine und Füße. Die verklemmte Fahrertüre erschwert zusätzlich die Bergung des Fahrers, da sie nur mit Werkzeug ausgebaut werden kann. Ausserdem ist durch unzureichende Abstimmung des Beifahrerairbags und fehlende Gurtkraftbegrenzer die Brusteindrückung des Beifahrers unnötig hoch.

    Einen fatalen Sicherheitsmangel stellt das Airbagkabel in der Lenksäulenverkleidung dar. Durch die lose Verlegung in der Nähe der scharfkantigen Lenkradhöhenverstellung kann das Kabel leicht beschädigt werden. Bei einem realen Aufprall könnte dies zu Problemen bei der Airbagauslösung führen.

    Der Brilliance BS6 erreichte beim Seitenaufpralltest mit 50 km/h nur 8 von 16 möglichen Punkten. Der BS6 ist weder mit Kopf- noch Seitenairbags ausgestattet und im Kopfaufprallbereich der Insassen befinden sich keine stossabsorbierenden Materialien. Die Deformation des Armaturenbretts ist so stark, dass die biomechanische Grenze für die Brust- und Bauchbelastung überschritten wurde. Aus diesem Grund wird der zweite Stern in der Gesamtbewertung gestrichen. Zusätzlich kommt noch eine Abwertung wegen zu hoher Brustbelastung zur Anwendung. Auch im Seitencrash hat der BS6 grosse Defizite in der Fahrgastzellenstabilität.

    Der Brilliance BS6 erreichte beim Crashtest nach Euro NCAP-Vorgaben insgesamt 12 von 40 möglichen Punkten. Das ergibt eine Gesamtbewertung von zwei Sternen, wobei der letzte der beiden gestrichen wird, weil die Messwerte für Brust- und Bauchbereich beim Seitenaufprall die biomechanischen Grenzwerte übersteigen. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass es nicht ausreicht, zusätzliche Sicherheitssysteme einzubauen, sondern es müssen grundlegende Veränderungen in der Konstruktion vorgenommen werden.

    Neben dem Insassenschutz für Erwachsene wird auch die Kindersicherheit bewertet: Hier erreichte der Brilliance 30 von 49 Punkten. Die verwendeten Kindersitze bieten in Front- und Seitencrash einen guten Schutz. Dagegen gibt es in der Bewertung der Kindersicherheit im Fahrzeug zahlreiche Mängel. So sind die Fahrzeuggurten nach europäischen Einbauanforderungen zu kurz, um eine rückwärtsgerichtete Babyschale verwenden zu können. Ausserdem sind nur die äusseren Sitzplätze mit Dreipunkgurten ausgestattet. Zusätzlich sind die Warnhinweise für rückwärtsgerichtete Kindersitze auf dem Beifahrersitz völlig unzureichend.

    Bilder und Grafik können beim TCS Emmen Tel. 041 267 18 36 oder per Mail akeller@tcs.ch bestellt werden.

Pressekontakt:
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