Caritas Schweiz / Caritas Suisse

250 Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Sozialbereich diskutieren am Caritas-Forum in Bern
Zuwanderung neu denken

Luzern (ots) - Die Schweiz beschäftigt sich intensiv und angespannt mit ihrer Migrationspolitik. Kosten der Zuwanderung werden sorgfältig gegen ihren Nutzen abgewogen. Das Caritas-Forum 2015 am 30. Januar wagt neue Wege: An der diesjährigen sozialpolitischen Tagung der Caritas wurden mutige, kontroverse, inspirierende Ansichten zum Thema vorgestellt.

Zwei Drittel der Menschen auf der Welt können sich nicht frei bewegen, obwohl die Mobilität als Voraussetzung für den Fortschritt gilt, stellte in ihrem Vortrag Catherine Wihtol de Wenden, Forschungsdirektorin des Zentrums CERI-Sciences Po in Paris fest. Das Recht auf Mobilität beanspruchen heute genauso Studierende auf dem Weg zu einer guten Ausbildung wie Senioren, die nach einem angenehmen Ort für den Lebensabend suchen - aber auch Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt, vor Klimaschäden und Armut. Die bisherigen Antworten reichen nicht mehr aus: Zeit, Migration aus einer menschenrechtlichen Perspektive anzuschauen.

"Es gehört zur Migrationspolitik, dass sie nicht zur Ruhe kommt", führte weiter Sandro Cattacin, Professor der Soziologie an der Universität Genf diese Gedanken fort. In seinem Vortrag zeigte er auf, dass die Migrationspolitik als Teil der Globalisierungsprozesse verstanden und gestaltet werden muss. "Die nationalstaatliche Zugehörigkeit löst sich auf und macht Platz für eine neue, multiple und urbane Staatsangehörigkeit."

Gerade deswegen ist das Verständnis von Integration als Anpassung überholt, sagte in seinem Referat der deutsche Migrationsforscher und Publizist Mark Terkessidis. Er kehrte die Perspektive um: Nicht die Zuwanderer sollen angepasst werden, sondern die gesellschaftlichen Institutionen müssen sich an die Vielfalt und Vielheit der heutigen Gesellschaft anpassen.

Ylfete Fanaj, Integrationsbeauftragte im Kanton Nidwalden, vertiefte das Thema der Integration mit Beobachtungen aus der Praxis: "Ein gutes Zusammenleben setzt voraus, dass man sich von althergebrachten Bildern und Vorstellungen löst."

Vor einem Kosten-Nutzen-Denken warnte zum Abschluss Florian Wettstein, Professor für Wirt-schaftsethik an der Universität St. Gallen: "Im ökonomischen Denken lauert die Instrumentalisierung", sagte er, "Mitarbeiter werden zu Humankapital oder Produktionsfaktoren. Diskriminierung und Entwürdigung finden darin einen Nährboden, dem nur mit einer grundlegenden Humanisierung der ökonomischen Logik beizukommen ist: Sie muss auf die gleiche Würde aller Menschen zielen."

Unter der Leitung von Iwan Rickenbacher vertieften die Referentinnen und Referenten in zwei Podiumsgesprächen ihre Gedanken und Thesen.

Caritas Schweiz hat parallel zum Forum den Sozialalmanach 2015 dem Schwerpunkt "Herein. Alle(s) für die Zuwanderung" gewidmet. Der Almanach ist zu beziehen unter

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