Caritas Schweiz / Caritas Suisse

Sozialalmanach 2014: Caritas zieht zum Jahreswechsel Bilanz
Trotz Wirtschaftswachstum: Die Rechnung geht nicht für alle auf

Luzern (ots) - Die Schweizer Wirtschaft ist schneller gewachsen als im Vorjahr und kann weiterhin auf ein solides Wachstum bauen. Doch von dieser positiven Entwicklung sind Armutsbetroffene sowie untere Einkommensschichten ausgeschlossen. Caritas stellt im Bericht zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung im soeben erschienenen Sozialalmanach 2014 fest: Insbesondere für die Generation 50+, Alleinerziehende und Niedrigverdienende spitzt sich die Situation zu.

Die neusten Statistiken zu Wirtschaftswachstum zeichnen ein optimistisches Bild der Schweizer Wirtschaft innerhalb Europas, das seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise vor fünf Jahren von Sparpolitik und Arbeitslosigkeit gezeichnet ist. Die Schweizer Wirtschaft wächst. 2013 betrug das Wachstum laut SECO 1,4 Prozent. Für 2014 wird sogar ein Anstieg des Wachstums auf 2,1 Prozent erwartet. Laut dem International Institute for Management Development in Lausanne liegt die Schweiz bezüglich Wettbewerbsfähigkeit hinter den USA auf Platz zwei.

Verschlechterte finanzielle Situation der einkommensschwächsten Haushalte

Dennoch konstatiert Bettina Fredrich, Leiterin Sozialpolitik der Caritas Schweiz, in ihrem Bericht über die soziale und wirtschaftliche Entwicklung zwiespältige Tendenzen. Trotz günstiger wirtschaftlicher Entwicklung des Landes und hoher Beschäftigung, leben in der Schweiz 580 000 Personen unter der Armutsgrenze und über eine Million ist von Armut bedroht. Die Einkommensspreizung hat weiter zugenommen. Während Gutverdienende von steigenden Löhnen merklich profitieren konnten (in den Chefetagen um 28 Prozent), hat sich die finanzielle Situation der einkommensschwächsten Haushalte verschlechtert. Die Einkommen dieser Haushalte sind zwar marginal gestiegen, sie reichen aber nicht aus, um die steigenden Kosten für die Miete, Krankenkasse und Mobilität zu begleichen. 18,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung ist heute nicht in der Lage, eine unerwartete Ausgabe von 2000 Franken zu tätigen.

Hohe Langzeitarbeitslosigkeit über 50 Jahren

Ein weiterer beunruhigender Trend spiegelt sich in den Zahlen zu Langzeitarbeitslosigkeit wider: Arbeitskräfte, die älter sind als 50 Jahre, werden häufiger entlassen als früher. Von ihnen findet gerade jede fünfte Person nach einer Entlassung eine neue Anstellung. Mehr als 40 Prozent der Kündigungen beträfen aktuell Personen über 50 Jahre, während ihr Anteil an der Erwerbsbevölkerung nur gut 30 Prozent betrage, stellt Bettina Fredrich fest. So liegt ihr Anteil an den Langzeitarbeitslosen bei 41 Prozent.

Verschärfte Situation für Alleinerziehende

Nach wie vor einem hohen Armutsrisiko sind Einelternfamilien ausgesetzt. Für sie gestaltet sich insbesondere die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit Care-Arbeit - zum Beispiel in Form von Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen - schwierig. Da die soziale Absicherung grössenteils an die Erwerbsarbeit gekoppelt ist, verschäft sich die Situation für Alleinerziehende mit der Folge, dass jede Fünfte armutsbetroffen und jede Dritte armutsgefährdet ist. Obwohl die unbezahlte Care-Arbeit grundlegende Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft ist, findet sie bis heute keinen Eingang in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und ist sozial ungenügend abgesichert. "Ein Richtungswechsel ist notwendig", fordert Bettina Fredrich: "Die unbezahlte Care-Arbeit muss ausgewiesen, neu bewertet und als grundlegender Pfeiler der Volkswirtschaft anerkannt werden. Sie darf für finanzschwache Haushalte in der Schweiz nicht zur Armutsfalle werden, denn wir alle brauchen Care, um gut aufwachsen, leben und sterben zu können."

Sozialalmanach 2014

Das Caritas-Jahrbuch zur sozialen Lage der Schweiz (Schwerpunkt: Unter einem Dach) ist zu beziehen bei: info@caritas.ch oder telefonisch unter: 041 419 22 22.

Bilder zum Thema Armut finden Sie hier: www.caritas.ch/fotos

Kontakt:

Bettina Fredrich
Leiterin Fachstelle Sozialpolitik Caritas Schweiz
Telefon: 041 419 23 37

Marianne Hochuli
Leiterin Grundlagen Caritas Schweiz
Telefon: 041 419 23 20

Iwona Swietlik
Herausgeberin Sozialalmanach
Telefon: 041 419 22 41



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