Caritas Schweiz / Caritas Suisse

Caritas-Studie über soziale Schicht und Sterblichkeit - Arme sterben früher

Luzern (ots) - In der Schweiz werden die Menschen immer älter. Die Chancen, ein hohes Alter zu erreichen, sind allerdings nicht gleich verteilt. Untersuchungen zeigen, dass ein ungelernter Arbeiter im Durchschnitt vier bis fünf Jahre früher stirbt als ein Akademiker. Die neue Caritas-Studie „Arme sterben früher" beleuchtet die Frühsterblichkeit niedriger sozialer Schichten und spricht sich für eine sozialverträgliche Flexibilisierung des Rentenalters in der Schweiz aus. Insgesamt ist für die Schweiz ein Zusammenhang zwischen niedrigem sozialem Status und Frühsterblichkeit feststellbar. Zwar hat die Gesamtsterblichkeit in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten abgenommen und der Zugang zum Gesundheitswesen ist generell gewährleistet. Trotzdem sterben Personen mit einem niedrigen sozialen Status im Durchschnitt früher und sind während ihres ganzen Lebenslaufs anfälliger für Krankheit und Behinderung, unabhängig davon, ob der soziale Status nach Beruf, Schulbildung oder Einkommen bestimmt wird. Die Caritas-Studie, die schweizerische und internationale Untersuchungen zu Invaliditäts- und Sterberisiken auswertet, zeigt auf, dass für baugewerbliche, forstwirtschaftliche und einen Teil der holzverarbeitenden Berufe eine im Vergleich zum schweizerischen Mittel stark überdurchschnittliche Sterberate besteht. Eine erheblich geringere Gesamtmortalität weisen die akademischen und freien Berufe, Buchhalter, Erwerbstätige im Nachrichtenverkehr sowie Techniker und Maschinisten auf. Die Caritas-Studie zieht Schlussfolgerungen vor allem im Hinblick auf Altersvorsorge und Rentenalter. Sie befürwortet die in der 11. AHV-Revision vorgeschlagene Flexibilisierung des Rentenalters. Doch diese muss noch gezielter zugunsten der Menschen aus den unteren Schichten ausgestaltet werden. Die Einsparungen bei der AHV von mindestens 400 Millionen Franken, die sich durch die Erhöhung des Rentenalters bei den Frauen ergeben, sollen weitgehend für die soziale Ausgestaltung der Flexibilisierung des Rentenalters genutzt werden. Nicht nur finanz- und arbeitsmarktpolitische Argumente berücksichtigen Die Caritas schlägt auch vor, über eine Differenzierung des Umwandlungssatzes bei der zweiten Säule nachzudenken. Der Umwandlungssatz legt den prozentualen Anteil fest, der jährlich vom angesparten Kapitalguthaben für die Rente ausgeschüttet werden darf. Dieser Umwandlungssatz geht von einer durchschnittlichen Lebenserwartung aus, die aber von Personen mit tiefen Einkommen oft nicht erreicht wird. Mit einem einkommensabhängig abgestuften Umwandlungssatz könnten Bezügerinnen und Bezüger kleiner Einkommen ihr angespartes Guthaben besser ausschöpfen. Das Rentenalter, so die Caritas, werde in den nächsten Jahren im Zentrum der Debatte um eine zukunftssichere Altersvorsorge stehen: „Die Frage, wie hoch das Rentenalter angesetzt werden soll, darf nicht ausschliesslich durch finanzpolitische und arbeitsmarktpolitische Argumente bestimmt werden. Der klar belegbare Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und Lebenserwartung muss in der Schweiz in der Rentenalterspolitik verstärkt berücksichtigt werden." Arme sterben früher Soziale Schicht, Mortalität und Rentenalterspolitik in der Schweiz (96 Seiten, Fr. 15.80) ots Originaltext: Caritas Schweiz Internet: www.newsaktuell.ch Kontakt: Caritas Schweiz Löwenstrasse 3 6002 Luzern Tel. +41/41/419'22'22 mailto: info@caritas.ch Auf der Homepage der Caritas ist ein Lebenserwartungstest zu finden: http://www.caritas.ch

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